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Simone Trieder über „Mein Herz knistert auf Papier“

  Liebe Frau Trieder, wie kamen Sie auf die Idee zu einem Briefroman?
Die Idee ist eine klassische Zweitverwertung. Ich hatte den Auftrag, den Text zu einem Chorstück zu schreiben. Und da dachte ich, dass die Sängerinnen zwischen 12 und 18 Jahren mitreden sollen, worum es in dem Chorstück geht. Ich ließ sie auf einen anonymen Fragebogen antworten. Z.B. auf die Fragen: "Was ist Liebe für dich?", oder "denkst du manchmal an den Tod?" Aus der Summe der Antworten entstanden die Lyrics für die Songs des Chorstücks. Aber ich hatte plötzlich so viele interessante Anregungen, dass mir die Idee kam, daraus ein Jugendbuch zu machen.
Noch zum Briefroman. Es ist ja kein Briefroman in dem Sinne. Es kursiert ein Schulheft zwischen den drei Mädchen, weil eine von ihnen Hausarrest hat (inklusive Internet- und Handyverbot). So schreiben sie in dieses ehemalige Geometrieheft Ersatz-SMS an die "Arrestierte". Dabei stellen sie fest, dass sie ehrlicher und offener miteinander kommunizieren, als wenn sie sich treffen. Deshalb wird dieses SMS-Buch auch nach dem Ende des Arrestes weiter geführt – und es ist ständig bedroht, weil die Mädchen Angst haben, dass es anderen in die Hände fällt.

„Mein Herz knistert auf Papier“ ist Ihr erstes Jugendbuch. Haben Sie daran anders gearbeitet als sonst?
Als Material hatte ich die Antworten der Mädchen auf den Fragebögen. Vieles erinnerte mich an meine Zeit, als ich 15, 16 war, insofern entstand ein Mix aus den Erfahrungen der Mädchen und meinen. Geschrieben habe ich die Rohfassung des Romans in nur vier Wochen, allerdings unter idealen Bedingungen in Schweden im Baltic Centre for Writers and Translaters in Visby, daher auch das schwedische Kapitel im Roman.

Haben Sie echte Erfahrungen von Jugendlichen in den Roman einfließen lassen?
Ja, wie gesagt, die Antworten der Mädchen, die sehr offen und manchmal auch sehr ausführlich waren. Manches auch aus dem Erleben und den Erzählungen meiner Tochter und ihren Freundinnen, die ich (mit ihrer Erlaubnis) verarbeitet habe, vor allem, was die Schwierigkeiten im Umgang mit dem Tod angeht.

Haben Sie mit Ihren Freundinnen auch über Freundschaft, Gefühle, Träume, Tod und das erste Mal sprechen können?
Ja, das ist doch das Problem! Dass man über bestimmte Sachen mit anderen, jedenfalls nicht in einer Gruppe reden kann. Natürlich spricht man über Freundschaft und Gefühle, aber das wird, je älter man wird, schwieriger. Mit 15, 16 haben wir viel mehr über solche Themen gesprochen. Aber auch damals habe ich manches lieber in einem Brief erzählt. Über das erste Mal redet man, glaube ich, nicht miteinander. Man überlegt vorher vielleicht, wie es werden könnte. Ich habe damals Bücher vermisst, die davon erzählen. Die Mädchen im Roman würden ja auch nicht darüber reden, aber schriftlich geht das dann doch …
Genauso zum Thema Tod, obwohl, da spricht man schon eher miteinander, wie man sich beispielsweise demjenigen gegenüber verhält, dem ein wichtiger Mensch verstorben ist. Aber bestimmt nicht in einem Café, wo man möglicherweise damit beschäftigt ist, ob der Pony so sitzt, wie man es gerne hätte oder ob der Typ da drüben endlich mal rüberguckt.

Gehen Mädchen und Frauen anders mit ihren Gefühlen und Geheimnissen um als Jungs oder Männer?
Es gibt eine Gemeinsamkeit: Wenn man verliebt ist und zurückgeliebt wird, dann will man die ganze Welt umarmen und alle sollen es wissen! Aber was ist mit den ganzen anderen Zwischenstufen? Man ist verliebt und derjenige weiß es nicht oder liebt nicht zurück. Oder der Freund ist plötzlich so anders oder er wird lästig, weil er überall mitkommen will oder er geht. Darüber mit einer Freundin reden, hilft. Es geht gar nicht um Ratschläge, schon das darüber Reden erleichtert.          
Und da ich ja kein Mann bin, mit dem sich andere Männer über ihre Probleme in der Liebe unterhalten, kann ich es nur aus der Beobachtung sagen. Ich glaube, sie denken, dass von ihnen erwartet wird, dass sie stark sein müssen. Dabei leiden sie genauso, vielleicht sogar schlimmer, weil sie ja nicht darüber sprechen können …
Das zu Gefühlen. Ob Mädchen oder Jungs: Geheimnisse bleiben Geheimnisse, sonst sind sie keine mehr.